Jahreshauptversammlung der BI „Keine neue Bahn im Kinzigtal e.V.

Tätigkeitsbericht des Vorstandes:

Andreas Harner berichtet, dass Anfang des Jahres 2010 aufgrund der Weltwirtschaftskrise das ICE-Projekt „Frankfurt-Fulda/Würzburg“ auf der Streichliste der DB stand: eine Realisierung schien aufgrund der desaströsen Finanzlage des Bundes und damit auch der Bahn aussichtslos! Hierauf regte sich im MKK (u.a. Herr Dr. Kavai sowie Kreistag des MKK)) und unter den lokalen Bundestags- und Landtagsabgeordneten (MdB M. Brand, MdL Heinz Lotz, MdB Dr. Raabe) der Region massiver Widerstand gegen die Bahnpläne.
Die BI kritisierte bei diesen Widerstandsbekundungen, teils durch Presseerklärungen, teils durch direkten Kontakt mit den Genannten, dass man stets den „Ausbau der Kinzigtalbahn“ fordere, was die Vorfestlegung auf eine Variante im Kinzigtal bedeute. Die korrekte Bezeichnung „Ausbau-/Neubaustrecke Frankfurt-Fulda/Würzburg“ ist und bleibt die korrekte Bezeichnung nach dem Bundesverkehrswegeplan.

Weiterhin zählte die Zusammenarbeit mit der BI „Hände weg vom Kinzigtal“ aus Bad Soden in der „Interessengemeinschaft Kinzigtal“ (IGK) zu den Aktivitäten 2009/2010.
•    Mitgliederzahl: 448 Mitglieder (relativ konstant). Mitglieder kommen schwerpunktmäßig aus Steinau, Marborn, Niederzell und Schlüchtern
•    Kassenbericht: ohne Beanstandung, Vorstand entlastet ( s. Anlage)
•    Neuwahlen:
einstimmig wieder gewählt wurden:
Andreas Harner , Frank Palige (Vorstand)
Karsten Dill (Kassierer)
Markus Jetzinger (Schriftführer)
Bernd Schmidt, Irmi Lamm, Jörg Schneider (Beisitzer)

Die Wahl wurde von allen angenommen! Andreas Harner lobt die absolut konstruktive Zusammenarbeit, den Teamgeist und die Selbstverständlichkeit, mit dem der Vorstand seit Jahren zusammenarbeite!

 

Informationen zum aktuellen Projektstand:

Frank Palige erläutert den Projektstand am „Distelrasentunnel“. Der Tunnel ist bereits nach Fertigstellung und vor der Inbetriebnahme sanierungsbedürftig. Der Beton der Röhre zeigte kurz nach der Fertigstellung Risse, die zurzeit mit Spezialdübeln beseitigt werden. Ob diese Sanierung den schwierigen geologischen Verhältnisse (sog. „Rutschgebiete“) danach standhält darf bezweifelt werden! Über die Zusatzkosten, die mehrere Millionen Euro betragen, schweigt sich Bahn und Politik aus!


Die BI weist schon seit Jahren sowohl die DB, die Verkehrsministerien als auch die politischen Vertreter und Gremien auf die problematische Geologie im oberen Kinzigtal, zwischen Bad Soden und Schluechtern hin. Eine Trassierung in diesem Bereich würde die Baukosten explodieren lassen! Eine Verlegung der ICE-Gleise entlang der Altstrecke sei in diesem Bereich ebenfalls nicht möglich, aufgrund der zu engen Kurvenradien. Daher seien „Linienkorrekturen“ notwendig, welche zum einen an dicht besiedeltem Gebiet vorbeiführten und zum anderen mehrer Tunnelabschnitte notwendig machten. Diese Tunnels hätten in Summe dieselbe Länge wie bei der Trassierung Richtung Mottgers, würden aber durch die genannten, problematischen Rutschgebiete führen. Hinzu käme, dass es durch die „Linienkorrekturen“ zwischen Bad Soden und Schlüchtern nicht zu einer Bündelung von Alt- und Neustrecke käme (sog. „Bündelungslage“), die jedoch Voraussetzung für einen Rechtsanspruch auf Lärmschutz für die Anwohner sei! Bestätigt wurde dies schriftlich durch den Hess. Verkehrminister Posch. Im Planverfahren wird die fordBI auf das Risiko der vielen Tunnels in den „Rutschgebieten“ des oberen Kinzigtals massiv hinweisen und entsprechende Gutachten und Kostenschätzungen einfordern! Man werde dies aber nicht wie in Stuttgart beim Projekt „Stuttgart 21“ erst vor Baubeginn tun, sondern bereits im Raumordnungsverfahren/Planfeststellungsverfahren, d.h. viel früher!.


Die BI fordert eine Entkopplung der ICE-Neubaupläne der Bahn von der Sanierung der Bahnhöfe: Insbesondere Bad Soden und Schlüchtern, sowie Wächtersbach haben Bahnhöfe, die in einem katastrophalen Zustand sind! Weiterhin fordert die BI, dass man mit dem 4-gleisigen Ausbau ab Hanau bis Gelnhausen bereits heute beginnen sollte. Eine „Bündelungslage“ mit der Altstrecke ist in diesen Bereichen möglich. Ebenso solle im Sinne der Pendler der teilweise nur 2-gleisige Ausbau zwischen Frankfurt/Süd und Frankfurt Hbf endlich beseitigt werden und der verstärkte Einsatz moderner elektronischer Leitsysteme geprüft werden!


Andreas Harner erläutert die aktuell veröffentlichte „Bedarfsplanüberprüfung“ des Bundesverkehrsministerium:In den offiziellen Unterlagen des Ministeriums wird nur die Mottgers-Spange genannt. Ob man hierbei bereits die o.g. etwaige Kostenexplosionen bei einer Trassierung im Kinzigtal umgehen will, bleibt unklar. Das Projekt erzielte in der Bewertung einen guten Nutzen-Kosten Faktor von 2,0. Dabei führten die Gutachter sogenannte „Projektzuschnitte“ durch: zum einen wurde die Höchstgeschwindigkeit der Züge von 300 km/h auf 250 km/h heruntergesetzt. Dies führe zu niedrigeren Betriebskosten (Energieverbrauch) sowie zu der Möglichkeit einer großzügigeren Trassierung. Dadurch sinken die Baukosten und es lassen sich günstigere Züge einsetzen. Zusätzlich optimierten die Gutachter die Trasse für den Güterverkehr, so dass der Nutzen auch dadurch steigt. Die Baukosten werden mit 3,1 Milliarden Euro geschätzt. Die BI sieht das Gutachten durchaus kritisch, weil hierdurch keinerlei Verbindlichkeit entsteht, wann eine Projekt realisiert wird! Nach Ansicht der BI kann es daher nicht sein, dass die Beseitigung der wirklichen Probleme mit dem Bahnverkehr im oberen Kinzigtal, nämlich die Lärmbelästigung der Anwohner sowie der schlechte Zustand der Bahnhöfe bis auf den St.Nimmerleinstag verschoben werden: Dies Missstände sollten zeitnah und entkoppelt von dem ICE trasse angegangen und gelöst werden!

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